Engadiner Fuchsschaf

 Herkunft und Entwicklung

Im Kanton Graubünden wurden Alpen seit dem späten Mittelalter von italienischen Schäfern genutzt. Diese brachten Schafe mit, die sich mit den angestammten Tieren vermischten. So kam es, dass im 18./19.Jh. Bergamaskertypen vor allem im Engadin, im Rheinwald und in den Bündner Südtälern weideten. Die Bergamaskerabstammungen wurden bereits damals als hochbeinige, grossrahmige und mischwollige Tiere mit Ramskopf und Hängeohren beschrieben. Hervorgehoben wurde ihre Härte, sowie stahlharte Klauen und Trittsicherheit im Gebirge. Die Fruchtbarkeit wurde mit gut bezeichnet.

Aufgrund dieser Beschreibungen darf angenommen werden, dass es sich bei den Tieren, die Pro Specie Rara (PSR) im Unterengadin unter der lokalen Bezeichnung besch da pader gefunden hatte, um Nachfahren der Bergamasker handeln muss. Danebst haben auch ansässige Tiere und die in den Ostalpen beheimateten Steinschafe ihren Einfuss auf das Engadiner Schaf gehabt. Heute steht es den Bergschafen aus dem Tirol nahe. Zur Erhaltung der Rasse waren Einfuhren aus den tirolischen und bayerischen Beständen des braunen Bergschafes oder Ultnerschafes (Südtirol) notwenig. Die Restbestände im Engadin umfassten nebst den braunen auch weisse, schwarze und gefleckte Tiere.

 Heutige Verbreitung
Dank dem grossen Engagement des Engadinerschaf Zuchtvereins und dank der ansprechenden Eigenschaften der Rasse konnte sich das Engadiner Schaf in den letzten Jahren in der ganzen Schweiz verbreiten. Heute sind Zuchtgruppen vom Fricktal bis ins Tessin und vom Rheintal bis nach Genf vorhanden.

 Herkunft:

Geht auf das mittelalterliche Zaupelschaf zurück.

 Eigenschaften/Leistung:

Die in der Überlieferung erwähnten Eigenschaften von einem fruchtbaren und gebirgstauglichen Schaf, das aber in der Fleischfülle nicht mit den gängigen Mastrassen vergleichbar ist, treffen noch heute zu. Eine grosse Stärke ist die Fruchtbarkeit und die Asaisonalität. Direktvermarkter schätzen das sehr magere, beinahe wildartige Fleisch der Lämmer als Spezialität. Die Anfälligkeit gegenüber Klauenfäule darf als gering bezeichnet werden. Schwer messbar, jedoch gerade für Nebenerwerbs- und Hobbyschafzüchter nicht von geringer Bedeutung, ist der ange-nehme Charakter und das unkomplizierte Wesen der Tiere. Die Tiere sind, richtige Haltung vorausgesetzt, ruhig, zutraulich und aufmerksam gegenüber ihren Jungtieren.
 Besondere Eignung
 
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 Schweizerischer Engadinerschaf Zuchtverein
Der Schweizerische Engadinerschaf Zuchtverein wurde 1992 von wenigen Züchtern in Zusammenarbeit mit Pro Specie Rara gegründet. Nach sieben Jahren zählt er über 150 Mitglieder, die alle eine mehr oder weniger grosse Zuchtgruppe halten. Das trotz der weiten Verstreuung der Mitglieder aktive Vereinsleben beinhaltet nebst geselligen, weiterbildenden Züchterreisen die organisation des Herdebuches, die Bewertung und Markierung der Tiere an Hof- und Widderschauen, Tiervermittlungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Durchführung von Aufzuchtleistungsprüfungen. Höhepunkt bildet jeweils die jährliche Widderschau, an der intensiv der Zuchtfortschritt in Richtung des robusten, unkomplizierten und fruchtbaren Engadiner Schafes erörtert wird.
 Tierbestand 1.6.99
Widder-Mütter: 492 aus 22 Linien
Widder-Väter: 75 aus 9 Linien
Zuchtauen: 181 aus 22 Linien
Jungauen: 540 aus 22 Linien
Jungwidder: 79 aus 9 Linien
Anzahl Züchter: 176 aus den Kantonen
AI, AG, AR, BE, BL, FR, GE, GL, GR, LU, OW, SG, SO, SZ, TG, TI, UR, ZG, ZH
 Zucht des Engadiner Schafes

Das Engadiner Schaf hat sich als robustes, unkompliziertes und ruhiges Schaf etabliert. Man kann heute von einer Rasse im modernen Sinne sprechen. Die aktive Züchterorganisation mit Zusammenhalt führt das Herdebuch und erbringt namhafte Züchterdiensleistungen.

Obwohl diverse Züchter ihre Tiere im Sommer auf die Alp bringen, sind die Tiere nicht mehr in ihrer ursprünglichen Umgebung zuhause. Die Rasse hat auch in der Kleinstlandwirtschaft eine neue Nische gefunden. Schafzüchter, die auf Aufwandsminimierung und Direktvermarktung ausgerichtet sind und denen die Freude am Tier wichtig ist, sind mit den Engadinern gut bedient. Die neue Haltung verändert natürlich unweigerlich die Tiere. In einigen Generationen wird das Engadiner Schaf nicht mehr gleich sein. Überleben kann aber nur, wer sich weiterentwickelt und anpasst und sich auf dem Markt behaupten kann.

 Zuchtziel

Allgemeine Zuchtziele: Folgende Ziele werden mit extensiver Haltung ohne Zufütterung von Kraftfutter verfolgt:

  • Widerstandskraft, Geländegängigkeit, Gesundheit, frei von Erbfehlern
  • Gute Fruchtbarkeit
  • Gute Aufzuchteigenschaften und gute Milchproduktion
  • Hohe Lebensdauer
  • Mittlere Mastfähigkeit auf der Basis von Rauhfutter
  • Mageres Fleisch
  • Mittlere bis grobe Wolle
 Rassestandard
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 Typ:
Körper harmonisch, robust, tief, mit gutem Wuchs, ausgeprägte Geschlechtsmerkmale, lange rotbraune Wolle, die im Alter ergrauen kann, keine Kopfwolle, Vorderbeine unbewollt, Hinterbeine bis Sprunggelenk bewollt, Widder rein fuchsfarben oder schwarz, Schwänze nicht coupiert, Auen fuchsfarben oder schwarz, weisser Stern und weisser Schwanz möglich.
 Widerristhöhe:
weibl. : 65 - 70 cm (- 6 cm/+10 cm), männl. : 73 - 78 cm (- 6 cm/+10 cm).
 Gewicht:
weibl.: 55 - 70 kg (- 10 kg/+20 kg), männl. : 75 - 95 kg (- 10 kg/+30 kg).

 Kopf und Hals:

hornlos, langer Kopf mit einer Ramsnase, lange, hängende Ohren, Hals voll bemuskelt, mit Schulter und Widerrist gut verbunden, Schulter gut anliegend.
 Brust, Schulter und Widerrist:
Brust breit, tief, Widerrist breit und geschlossen.
 Rücken, Lende, Bauch:
Rücken mittelbreit, gerade, leicht gefirstet, lang. Becken und Keule: breit, Bauch mittelgross mit kleinen Hungergruben, Becken mittellang, breit, Keule nicht eingefallen.
 Gliedmassen, Gang:
Gliedmassen trocken und kräftig, Fesseln mittellang, kräftig, sehr harte Klauen, geschlossen, Gang lebhaft und geräumig, trittsicher.
 Wolle:
gleichmässig bewollt, Vlies einheitlich, lange Wollhaare, wenig gekraust, rotbraun, im Alter ergrauend.
 Ertrag und Qualität:
Feinheit F3 - F5. Stapeltiefe in 180 Tagen mehr als 5 cm.
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 Weiterführende Informationen
 

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Schweiz. Engadinerschaf Zuchtverein SEZ
Melchenbühlweg 6
3006 Bern
Tel. ++41 (0)31/931 67 44